Schulverband Mönchengladbach Rheydt

Schulverbund Mönchengladbach RheydtFür jedes Kind den passenden Bildungsgang

Die Gemeinschaftshauptschule Dohr, die Realschule an der Niers und das Hugo-Junkers-Gymnasium bilden den Schulverband Rheydt. Mit der Kooperation soll mehr Durchlässigkeit zwischen den Schulformen möglich sein.

Werner Müller, Leiter der Realschule an der Niers, weiß aus Erfahrung: „Eltern fürchten beim Wechsel ihres Kindes von der Grundschule in die weiterführende Schule oft, die falsche Entscheidung zu treffen und damit ihr Kind auf Gedeih und Verderb auf die einmal gewählte Schulform festzulegen.“ So ganz falsch ist diese Haltung der Eltern auch nicht, denn die mantraähnlich beschworene Durchlässigkeit des dreigliedrigen Schulsystems existiert zwar in der Theorie, ist in der Praxis aber nicht ganz so einfach umsetzbar.

Ein Wechsel der Schulform, etwa vom Gymnasium zur Realschule, funktioniert schon deshalb nicht immer, weil die Realschulen voll sind. Und auch von der Hauptschule in die Realschule oder von der Realschule ins Gymnasium führt kein ganz einfacher Weg.

Zwar wechseln jedes Jahr Schüler die Schulform, aber der Übergang funktioniert in vielen Fällen nicht reibungslos, weil die Lehrpläne und verwendeten Bücher nicht abgestimmt, die Kompetenzen, die die Schüler mitbringen, nicht bekannt sind. Das alles soll sich in Rheydt jetzt ändern. Drei Schulen, nämlich die Gemeinschaftshauptschule Dohr, die Realschule an der Niers und das Hugo-Junkers-Gymnasium, haben sich zum Schulverband Rheydt zusammengeschlossen, um mehr Durchlässigkeit zu gewährleisten und den Schülern die jeweils angemessene Schullaufbahn zu ermöglichen.

Die Möglichkeit, von einer Schule in die andere zu wechseln, ist garantiert. Schon bei der Anmeldung in der jeweiligen Schulform wird bei Bedarf gemeinsam beraten. Das Ergebnis kann dann beispielsweise sein, dass das Kind in der 5. Klasse in der Hauptschule beginnt und bei entsprechenden Leistungen rasch auf die Realschule wechselt. „Oder ein Schüler wechselt in einer schwierigen Phase auf die Hauptschule, wo wir ihn besser fördern können“, erklärt Jakob Mülstroh, Leiter der Hauptschule Dohr. Der Weg zurücksteht den Schülern jeweils offen.

Auch das Hugo-Junkers-Gymnasium ist in den Schulverband eingebunden. Es bietet für den Übergang in die Sekundarstufe II Schnupperunterricht und Schnupperkurse an, schickt sogar eigene Lehrer zum Unterrichten an die Hauptschule. „In den Hauptfächern finden Angleichungskurse statt“, sagt Schulleiter Torsten Petter vom Hugo-Junkers-Gymnasium, „zuerst ein Quartal lang in der Hauptschule, später in unseren Räumlichkeiten.“

Auch gemeinsame Projekte haben die drei Schulen schon ins Auge gefasst. Bei der Berufsorientierung will man eng zusammenarbeiten, aber auch schulformübergreifende Kultur- und Bildungsangebote wird es geben. Bereits im Januar 2017 soll ein dreitägiges Projekt zur Medienerziehung stattfinden, das sich an den 9. Jahrgang aller drei Schulformen richtet.

Wichtig sei bei diesem Schulverband, dass alle davon überzeugt sind, Schüler, Lehrer und Eltern, meint Schuldezernent Gerd Fischer, der die Kooperation als sehr innovativ bezeichnet. Und tatsächlich: Es ziehen alle mit. „Wir sind überall auf hundertprozentige Zustimmung gestoßen“, sagt Jakob Mülstroh von der GHS Dohr.

Die Zusammenarbeit kann sogar noch auf ein weiteres Projekt ausgeweitet werden: das Comeback-Angebot, mit dem Schüler, die aus den unterschiedlichsten Gründen aus dem Schulsystem herausgefallen sind, wieder an den Regelunterricht herangeführt werden. Dort finden sich nämlich keineswegs nur Hauptschüler, sondern momentan etliche Gymnasiasten. „Es gibt da Probleme mit dem Unterricht in der zweiten Fremdsprache“, weiß Mülstroh. „Jetzt kann vielleicht auch mal ein Latein- oder Französischlehrer dazukommen.“

Der Schulverband Rheydt hat Modellcharakter, auch andere Schulen signalisieren Interesse an einer solchen Kooperation. Aber eins zu eins lässt sich die Zusammenarbeit nicht übertragen. „Die Schulen müssen jeweils ihre eigenen Formen der Kooperation suchen“, sagt Schuldezernent Fischer. In Rheydt scheint das gelungen zu sein.

Quelle: Artikel von Angela Rietdorf in der Rheinische Post vom 21. Dezember 2016