Inklusion

Gemeinsames Lernen an der GHS Dohr

Das sonderpädagogische Team besteht aus drei Lehrern für Sonderpädagogik und einer pädagogischen Fachkraft (Kulturpädagogin). Sie unterstützen die Schülerinnen und Schüler im Unterricht und planen gemeinsam mit den Klassenlehrern und Fachlehrern Maßnahmen zur individuellen Förderung, um eine bestmöglichen Teilhabe und Entwicklung jeden Kindes zu gewährleisten. Außerdem beraten sie Schülerinnen und Schüler sowie deren Eltern bezüglich der Schullaufbahn, präventiven Maßnahmen, arbeitsorganisatorischen Hilfestellungen, Fördermaterial, Formulierung eines Nachteilsausgleiches, Einleitung von AO-SF-Verfahren, Diagnostik, der nachschulischen Förderung usw. Das sonderpädagogische Team steht dabei im Austausch mit der Schulleitung, den Schulsozialarbeitern sowie außerschulischen Experten und Fachkräften. Dem sonderpädagogischen Team stehen an jedem Teilstandort der Schule ein Differenzierungsraum für die Förderung einzelner Schülerinnen und Schüler sowie Kleingruppen zur Verfügung.

Die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf nehmen sowohl am Klassenunterricht als auch an individuellen Lernangeboten teil. Das wird durch unterschiedliche Differenzierungsmaßnahmen ermöglicht:

  • persönliche Unterstützung durch Lehrperson
  • angepasstes, anschauliches Unterrichtsmaterial
  • individuelle Anforderungsniveaus
  • Vermittlung lebenspraktischer Inhalte
  • Arbeit in Kleingruppen
  • Ruhe- oder Bewegungsphasen
  • individueller Stundenplan
  • Sozialtraining
  • usw.

Dabei ist jeder Klasse ein Lehrer bzw. eine Lehrerin für Sonderpädagogik hauptverantwortlich als Bezugsperson zugeordnet. Dieser plant in Absprache mit dem Klassenlehrer und Fachlehrern die oben angesprochenen Maßnahmen, die zu einer bestmöglichen Persönlichkeitsentwicklung der Kinder und Jugendlichen beitragen sollen.


Besonderheiten der Klassen 5 und 6

Ankommen, sich kennenlernen und wohlfühlen

Dank der engen Zusammenarbeit mit den Grundschulen und den Förderzentren ist es uns möglich, die Kinder mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf schon vor ihrem Wechsel in die Sekundarstufe I in der Grundschule zu besuchen. Ihre Besonderheiten, Unterstützungsbedarfe, Stärken und Interessen können so schon aufgenommen und als Grundlage für ihren individuellen Förderplan berücksichtigt werden. Die Schülerinnen und Schüler freuen sich, wenn sie bei der Begrüßungsfeier kurz vor den Sommerferien ihre Lehrerinnen und Lehrer schon „kennen“.

Alle Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf bilden in der Regel mit anderen Schülern zusammen eine kleine und überschaubare Klassengemeinschaft (ca. 15 Schüler/innen). Diese Klasse wird von einer erfahrenen Klassenlehrerin (mehrjährige Leitung einer Inklusionsklasse) und einer Lehrerin für Sonderpädagogik betreut. Die Klassenlehrerin übernimmt im Stundenplan möglichst viele Stunden und hat damit viel Zeit, alle Schüler ganz individuell kennenzulernen und auf die Besonderheiten einzugehen. Dabei wird sie von der Lehrerin für Sonderpädagogik unterstützt. Diese passt die Unterrichtsinhalte an die Möglichkeiten der Schüler an und holt jeden Schüler da ab, wo er gerade steht. Dabei werden die Stärken und Interessen der Schüler/innen in den Lernprozess eingebunden und die Inhalte entsprechend modifiziert. Dies geschieht z.T. in der Klasse oder auch in Kleingruppen.

Klassengemeinschaften und ein WIR-Gefühl aufbauen

In der Klasse 5 werden zunächst die wichtigen Grundlagen aus der Grundschule wiederholt. Hierbei erhalten insbesondere die Schüler/innen, die zieldifferent unterrichtet werden und Schüler/innen mit LRS oder Problemen im Bereich Mathematik individuelle Unterstützung und Förderung. Jedes Kind soll in dieser Phase seine individuellen Erfolgserlebnisse haben, erleben, dass es Fortschritte macht, damit es Lernfreude aufbauen bzw. beibehalten kann.

Neben dem kognitiven Lernen wird sehr viel Wert auf das soziale Lernen gelegt. Alle Schüler sollen sich gegenseitig wahrnehmen, Unterschiede akzeptieren und sich gegenseitig wertschätzen.  Da man diese Grundlagen nicht nur für den Unterricht braucht, werden lebenspraktische Situationen geschaffen, die dafür sorgen, dass alle Schüler miteinander Spaß haben und die Klassengemeinschaft positiv erleben (regelmäßige Spielzeiten, Sport, Ausflüge, Aktionen, Klassenfahrten, Schulfeste etc. ). Um möglichst allen Schüler/innen mit ihren Stärken, Interessen und Besonderheiten gerecht werden zu können, erfahren die Schüler weitere lebenspraktische Förderung in den verschiedenen Arbeitsgemeinschaften, Projekten, Angebote im Bereich Garten- und Schulhofgestaltung, Pausenspiele und Hauswirtschaft.

Für alle Schüler mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf werden individuelle Förderpläne erarbeitet, die mit dem gesamten Klassenteam, den Eltern und dem Schüler abgesprochen, angepasst und immer fortgeführt werden. Auch entsprechende Nachteilsausgleiche werden ggf. festgelegt und regelmäßig überprüft.

Wichtig für das Erreichen der Ziele ist die enge Zusammenarbeit mit dem Schulsozialarbeiter und ggf. außerschulischen Einrichtungen.

Die Lehrerin für Sonderpädagogik berät und unterstützt die Kolleg/innen bei der Feststellung von LRS oder Dyskalkulie, bzw. rät zu entsprechenden psychologischen Untersuchungen, um für jeden einzelnen Schüler möglichst optimale Lernbedingungen zu erzielen. Ggf. könnte auch die Beantragung eines Integrationshelfers eine wichtige Unterstützung für einen Schüler sein.

Übergang in die Klasse 7 – Rüber zu den „Großen“

In der Klasse 6 richtet sich bereits der Blick auf den Wechsel ins Hauptgebäude (Klasse 7) an. Das bedeutet für die Schüler/innen in der Regel eine große Umstellung. Nun ist es wichtig, dass die Schüler/innen ihr Selbstbewusstsein stärken, damit sie stark genug sind, sich auf das neue Schuljahr mit den neuen Bedingungen einzulassen und sich darauf zu freuen. Deshalb werden zu Beginn des Schuljahres evtl. weitere sonderpädagogische Unterstützungsbedarfe für Schüler/innen beantragt, die ohne eine sonderpädagogische Unterstützung die Ziele der Hauptschule nicht erreichen können bzw. aus anderen Gründen Unterstützung für ihre weitere Entwicklung benötigen. Diese Schüler/innen profitieren dann (wie alle Schüler/innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf) in den nächsten Schuljahren von der regelmäßigen und intensiven Unterstützung von Lehrer/innen für Sonderpädagogik und werden zusätzlich auch in besonderem Maße auf dem Weg ins Berufsleben unterstützt. Dabei ist zu beachten, dass die Schüler/innen zunehmend selbstständiger werden und immer selbstverständlicher im gemeinsamen Unterricht zurechtkommen sollen.

Für alle Schüler/innen gilt, dass sie in der Klasse 6 ganz gezielt ihr Arbeitsverhalten, ihre Konzentration und Ausdauer trainieren. Hier sollten sie zunehmend selbstständiger arbeiten, ihre individuellen Ziele erstellen und ihre Lernerfolge wertschätzen. Ziel ist es, dass möglichst alle Schüler eine gute Ausstattung an Lernmethoden, Lernfreude, Inhalten, Interessen, Ideen, lebenspraktischen Fähigkeiten etc. mit in die Klasse 7 nehmen.

Die Lehrer/innen für Sonderpädagogik nehmen am Ende des Schuljahres Kontakt zu der Klasse auf, um sich ein erstes Bild von den Schüler/innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf zu machen, die sie dann im nächsten Schuljahr begleiten. Durch den regelmäßigen Austausch und gegenseitige Beratung aller Lehrer/innen für Sonderpädagogik der Schule, kann die gezielte Förderung problemlos weitergeführt werden.

Neben der stärkenorientierten Förderung im Unterricht ist der GHS Dohr ein besonderes Anliegen, dass die Schülerinnen und Schüler weitere lebensrelevante Erfahrungen in der Schule machen. (z.B. während der Praxistage).


Besonderheiten der Klassen 8 bis 10

Der Übergang Schule – Beruf

Ein Schwerpunkt des Unterrichts der Klassen 8 bis 10 ist die Vorbereitung auf das Leben nach der Schule. Das geschieht durch die vom Land Nordrhein-Westfalen verbindlich festgelegten und durch die von der GHS Dohr ergänzten Bausteine zur Berufsorientierung (Link zur Berufsorientierung der GHS Dohr). Die Schülerinnen und Schüler mit sonderpädagogischen Unterstützungsbedarf und deren Eltern erhalten zusätzliche Förderung, Beratung und Begleitung durch eine Lehrperson für Sonderpädagogik. Dabei werden individuelle Ziele besprochen, festgelegt und verfolgt. Das können zum Beispiel das Erreichen eines bestimmten Schulabschlusses, der Beginn einer Ausbildung oder  der Gelderwerb durch eine Arbeit sein. Das beinhaltet auch eine enge Kooperation mit der Berufsberatung der Bundesagentur für Arbeit. Hinzu kommen Bausteine zur Förderung lebenspraktischer Fähigkeiten (z.B. Formulare ausfüllen, Umgang mit Geld, die erste eigene Wohnung, Partner- und Elternschaft, Gesundheit, Freizeitgestaltung usw.) und die Praxistage.


Praxistage

Praxistage bieten Schüler*innen die Möglichkeit, mehr Erfahrungen in Bereichen zu sammeln, die für sie wichtig sind. Schüler*innen mit sonderpädagogischem Unterstützungsbedarf können in Absprache mit der Klassenleitung und den Förderlehrer*innen  an  fortlaufenden Praxistagen teilnehmen. In Kleingruppen kann so parallel zum regulären Unterricht an den persönlichen Bedürfnissen der Schüler*innen gearbeitet werden. Die Inhalte der Praxistage sind unterschiedlich und richten sich nach den Förderbedürfnissen der Schüler*innen.

Dies könnten z.B. sein:

  • lebenspraktische Fähigkeiten (Umgang mit Geld, Einkauf, Mahlzeit zubereiten)
  • Sinnliche und feinmotorische Fähigkeiten (Kunst, Naturerfahrungen, Musik)
  • soziale/emotionale Fähigkeiten (Erfahrungen in der Gruppe nach persönlichen Möglichkeiten)

Die Praxistage finden vormittags während des regulären Unterrichts in Kleingruppen statt.


Die Inklusion aus der Sicht eines Lehrers der GHS-Dohr:

Seit vielen Jahren wird an der GHS Dohr Inklusion durchgeführt und gelebt. Ich unterrichte und begleite als Klassenlehrerin seit Beginn an Inklusionsklassen. Nach einigen Startschwierigkeiten zu Beginn der Inklusion, hat sich die Inklusionsarbeit an unserer Schule über die Jahre immer weiter entwickelt und wir sind heute an einem positiven Punkt angekommen: 

Inklusion bedeutet, dass in meiner Inklusionsklasse Schüler mit und ohne Förderbedarf sind. Der Förderbedarf kann in den Bereichen „Lernen, Sprache oder Emotionale und soziale Entwicklung“ liegen. So entsteht eine sehr unterschiedliche Schülergruppe in der Klasse, die eine Vielzahl von individuellen Bedürfnissen und Ansprüchen mit sich bringt.

Eine solche heterogene Lerngruppe mit Erfolg zu unterrichten, bedeutet vor allem sich als Lehrer freiwillig darauf einzulassen und die Inklusion als etwas Positives anzusehen. Ganz wichtig dafür ist die Bereitschaft mit anderen Lehrern als Team zusammenzuarbeiten. An unserer Schule haben wir glücklicherweise sehr engagierte und kompetente Förderlehrer. Die Zusammenarbeit mit ihnen bringt viel Unterstützung, Erfolg, Freude und Kraft.

Ich arbeite seit mehreren Jahren mit einem Förderlehrer zusammen. Wir führen die Inklusionsklasse gemeinsam als Klassenlehrer. Ich erfahre sehr viel Unterstützung durch die Teamarbeit. Hierdurch gewinne und profitiere ich nicht nur als Klassenlehrerin, sondern vor allem alle Schüler der Klasse, ob mit oder ohne Förderbedarf. Konflikte in der Klasse können so schneller gelöst werden, da man zu zweit in der Klasse ist. So sind persönliche Gespräche mit Schülern z.B. bei Problemen zeitnah möglich. Ich erfahre durch die Zusammenarbeit mit dem Förderlehrer eine große Hilfe und Beratung bei auffälligen und problematischen Schülern, denn die Arbeit in einer Inklusionsklasse ist nicht immer einfach.

Hinzu kommt, dass Ausflüge, Klassenfahrten oder Veranstaltungen zu zweit geplant werden können. Besonders wichtig ist mir, dass ich einen weiteren kompetenten Ansprechpartner bezüglich Unterrichtsplanungen, Elterngespräche oder Schülerangelegenheiten habe. So ist die Arbeit im Team auch eine Entlastung. Ich fühle mich nicht als Einzelkämpfer bei der nicht immer einfachen Arbeit in einer Inklusionsklasse.    

Positive Erfahrungen habe ich auch im Unterricht gemacht. Auch ein Lehrer kann sich mal irren. Zwei Lehrer können sich ergänzen, bringen jeweils andere Impulse in den Unterricht hinein und haben unterschiedliche Ideen und Ansätze, wie man den Unterricht erfolgreicher und individueller planen und durchführen kann. Durch die Teamarbeit profitieren gerade die Schüler insbesondere in den Hauptfächern. Wir können zu zweit individueller auf die Schüler eingehen und haben für den einzelnen Schüler letztlich mehr Zeit, als wenn ich alleine die Klasse unterrichte. So werden auch die Schüler ohne Förderbedarf individueller gefördert.

Wichtig finde ich auch, dass die Schüler zwei Klassenlehrer als Ansprechpartner haben. 

Meiner Meinung nach lernen die Schüler in einer Inklusionsklasse sehr viel voneinander und erwerben eine Anzahl von sozialen Kompetenzen:

  • Rücksicht aufeinander nehmen
  • Verständnis für andere und deren Probleme entwickeln
  • Vorurteile abzubauen
  • Zusammenhalt

Für die Schüler mit Förderbedarf kann eine Inklusionsklasse eine Chance darstellen. Ich habe sehr motivierte Förderschüler erlebt, die sehr ausdauernd daran gearbeitet haben, ihre Leistungen zu verbessern, um z.B. den Hauptschulabschluss nach Klasse 9 zu erwerben oder ihren Förderbedarf zu verlieren und den erweiterten Hauptschulabschluss anzustreben. Andere Förderschüler gewinnen an Selbstvertrauen und persönlicher Stärke und sind in der Klasse gut integriert.

Letztlich bietet eine Inklusionsklasse viele Herausforderungen an die zu unterrichtenden Lehrer, aber in einem gut funktionierenden Team mit den Förderlehrern kann die Arbeit sehr viel Freude, Abwechslung, Austausch, Unterstützung, kompetente Zusammenarbeit und Entlastung bringen.